BLC 2021 - Verena Schlegel: Die Potenziale des Bayerischen Biosiegels in der Außer Haus Verpflegung

Dieses Mal haben wir mit Verena Schlegel gesprochen, die sich noch ganz frisch auf ihrer Position sofort dem Vorhaben verschrieben hat mehr Bio in die Außerhaus-Verpflegung zu bekommen. In ihrer Session drehte sich deshalb alles um das bayerische Bio-Siegel.

Bild: Verena führt durch ihr Thema. Rechts im Bild Zuhörer Felix. Mittlerweile machen die beiden gemeinsame Sache.


Im vergangenen Oktober fand das Biolebensmittelcamp zum vierten Mal statt. Für mich war es das erste Mal als Veranstalter. Umso glücklicher war ich darüber, wie viele bekannte Namen und „alte Hasen“ der Veranstaltung treu geblieben sind. Mindestens genau so sehr freute es mich, dass sich auch einige ganz neue Gesichter zeigten und mit eigenen Beiträgen die vielfältigen Möglichkeiten des Camps für sich und ihre Themen nutzten.

Eine dieser Erst-Teilnehmerinnen ist Verena Schlegel, Biowertschöpfungsketten-Managerin bei EPOS Bio-Partner Süd und dort verantwortlich für alle Maßnahmen rund um das bayerische Bio-Siegel. Mutig stürzte sie sich in das Abenteuer, eine eigene Session auf dem Camp zu moderieren. Und das, obwohl sie erst seit sehr wenigen Wochen in ihrem neuen Job war und die Biobranche bis dahin ausschließlich von der gastronomischen Seite her kannte.

Denn Verena verantwortete bis vor ihrem Einstieg bei EPOS die Betriebsleitung für Ernährung und Versorgungsmanagement an der Münchner Ludwig-Thoma-Realschule und stellte diese zu 100% auf Bio um. Das bayerische Fernsehen drehte dazu 2019 einen Beitrag. In dem kurzen Video ist zudem die TAGWERK Metzgerei in Niederhummel-Langenbach und damit ein weiterer Teilnehmer des BLC2021.

Bild: Beitrag des BR in "Unser Land" aus 2019.


Durch diese Erfahrung ist Verena prädestiniert für ihre neue Rolle und sie legte in den ersten Monaten gleich ordentlich los. Die zahlreichen Hürden, die das bayerische Biosiegel erst noch zu überwinden hat, nimmt sie seitdem selbstbewusst in Angriff.

Das von der bayerischen Landesregierung bereits im November 2015 vorgestellte Siegel soll immer mehr zu einer der wesentlichen Maßnahmen für den Erfolg des BioRegio 2030 Programms werden. Dessen Ziel es ist, dass bis zum Jahr 2030 dreißig Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Bayern ökologisch bewirtschaftet werden.


Bild: Das bayerische Bio-Siegel. Quelle: Wikipedia.


Ein erstrebenswertes Vorhaben. Doch Verena bekommt immer wieder zu spüren, dass bei der Konzeption des Siegels „die Rechnung teilweise ohne die Wirt*innen“ gemacht wurde. Während die Auslobung von bayerischem, regionalem Bio aufseiten der Erzeuger*innen durchaus auf Interesse stößt, erscheint die Begeisterung in den Kantinen und Betriebsrestaurants ungleich geringer.

Ein erstes Stimmungsbarometer unter den Teilnehmenden des Biolebensmittelcamps zeigte ebenfalls eine sehr heterogene Erwartungshaltung an den staatlich initiierten Standard, der vielen noch zu ungenau ist in seiner Definition, was ökologische Erzeugung zu 100 % aus Bayern wirklich meint. Nicht, dass diese Beschreibung an sich missverständlich wäre, vielmehr vermuten einige einen geringen kommunikativen Mehrwert und einen damit assoziierten Preisnachteil auf Gastronomieseite.


Aus der direkten Praxis berichtete Bettina Edmeier. Mit ihrer Keimbackstube unterstützte sie nicht nur als Sponsorin die Durchführung des Camps (erneut Danke an dieser Stelle!), verköstigte die Anwesenden mit ihrem Lebenskeimbrot, sondern lobt eben auch seit vergangenem Jahr das bayerische Biosiegel aktiv auf einigen ihrer Produkte aus. Sie betonte besonders die niedrigschwellige Bürokratie bei der Beantragung und Kontrolle der Siegel-Nutzung.

Die Vergabe bzw. Nutzung des Siegels scheint hierbei unterschiedlich hohe Einstiegshürden zu beinhalten. Die erzeugenden Betriebe verfügen meist qua ihrer Mitgliedschaft in einem der vier großen Bioverbände über den Bio-Nachweis. Insofern ist die ökologische Qualität der Produkte gut zu belegen. Die regionale Herkunft lässt sich ebenfalls transparent nachvollziehen.

Für viele Kantinen steckt hinter der Nutzung des bay. Biosiegels hingegen ein Prozess, den sie meist von Anfang an neu beschreiten müssen.


Dafür garantiert das bayerische Bio-Siegel laut offizieller Website: zur offiziellen Website.


Damit die zertifizierten Zutaten nicht nur in die Töpfe und auf die Teller kommen, sondern auch ausreichend Wahrnehmung durch die Kantinen-Besucher*innen erfahren, hatte Verena eine ganz besondere Idee. Bis diese öffentlich gemacht wird, gibt uns das Bild aus dem Videogespräch mit ihr einen ersten unscharfen Hinweis.

Als Wertschöpfungsketten-Managerin liegt Verenas Blick jedoch nicht nur auf dem Ort des Konsums. Mindestens genau so entscheidend ist es für sie, mehr und mehr Partner unter den Erzeugerbetrieben zu finden. Ein glücklicher Zufall für beide war die Begegnung von Verena mit Felix Schmidling, der als Bio-Wertschöpfungskettenmanager bei Frankengemüse im Knoblauchsland tätig ist (siehe Newsletter vom Dezember). Mit ihm entwickelt Verena bereits ein erstes Gemüsesortiment, das sowohl kulinarisch als auch in Sachen bayerische Herkunft keine Wünsche offenlässt. Damit ist sie ihrem erklärten Ziel „ein 100%iges bayerisches Biogericht auf dem nächsten Oktoberfest“ ein ganzes Stück näher gekommen.


Bild: Was hält Verena hier wohl so stolz in die Kamera?


In der aufkeimenden Zusammenarbeit von Verena und Felix zeigt sich einmal mehr, was aus dem Biolebensmittelcamp alles entstehen kann. Die zwei intensiven Tage des miteinander Arbeitens und Diskutierens führen dazu, dass man schnell gemeinsame Ziele und Vorhaben entdeckt und diese mit neu gewonnenem Elan nach der Veranstaltung in gemeinsame Projekte überführt. Das phänomenale Essen aus der Küche des Gut Sonnenhausen war dabei vermutlich ebenfalls eine gute Inspirationsquelle für die beiden Jung-Bios ;).

Ich danke Verena für ihren Beitrag zum BLC, und den kurzen Einblick in den Gemütszustand der meisten Kantinenbetreiber, den wir durch ihre Session gewinnen konnten. Lasst uns alle gemeinsam das bayerische Biosiegel als das betrachten, was es letztlich ist: Ein Weg für mehr Bio in der Außerhausversorgung. Und da gibts nun wirklich noch ausreichend zu tun!