BLC 2021 - Lisa Mann & Pia Uthe: Suffizienz in der Lebensmittelerzeugung

Dieses Mal haben wir mit Pia Uthe über ihre gemeinsame Session mit Lisa Mann gesprochen. Die beiden Vertreterinnen des BQL bzw. der AÖL brachten mit ihrem Thema "Suffizienz in der Lebensmittelerzeugung" eine angeregte Diskussion in Gange, die hoffentlich weiter über das Camp hinaus zu einer neuen Art des Wirtschaftens beitragen wird.

Bild: Lisa Mann (links) von der AÖL und Pia Uthe vom Büro für Lebensmittelkunde und Qualität


Weniger ist mehr! Platter Spruch oder tatsächlich der einzige Weg, wie die Welt (noch) zu retten ist? Aber bevor diese Frage überhaupt beantwortet werden kann, ist zunächst zu klären, was dieses „weniger verbrauchen“ - im Fachjargon Suffizienz genannt - eigentlich meint. Denn geredet wird viel über Nachhaltigkeitsstrategien oder die mittlerweile allseits bekannten Sustainability Development Goals (SDGs).

Nur wer übt auch schon im unternehmerischen Umfeld den radikalen Verzicht aus? Im privaten Bereich klar, da machen wir doch alle mal gerne Abstriche, wenn’s dem Planeten hilft, oder? Doch Hand aufs Herz: Welches Unternehmen will es sich tatsächlich leisten, einfach weniger von etwas zu machen. Weniger produzieren, weniger absetzen, weniger wachsen. Heißt Suffizienz sich das große Geld durch die Lappen gehen zu lassen? Macht man sich damit nicht zum Deppen in einer auf maximalen Erfolg getrimmten Geschäftswelt?

Am ehesten ließe sich die Suffizienz wohl in solchen Organisationen und durch jene Akteur:innen verwirklichen, die ohnehin bereits den Sinn über den Gewinn stellen. Wie gut, dass sich besonders viele von dieser Sorte beim Biolebensmittelcamp begegnen. Das dachten sich wohl auch Lisa Mann und Pia als sie ihr Sessionthema formulierten.

Die beiden sind nach eigener Aussage noch eher „frisch“ in der Biobranche und erlebten das Camp als ein für sie extrem gelungenes Onboardingevent, bei dem sie einen besonders intensiven und direkten Austausch mit anderen Branchen-Vertreter:innen erlebten.



„Das BLC ist megacool, weil man auch als noch junge Teilnehmerin genauso zu allem etwas sagen, oder sich erst mal eher zurückhaltend in die Themen einhören kann“ schwärmt Pia Uthe nach ihrer BLC-Premiere.





Obwohl beide noch verhältnismäßig neu zur Bio-Bubble gestoßen sind, bewiesen sie den Mut, sich mit einem eigenen Thema am Programm zu beteiligen. Fachlich setzten sie sich schon vor ihren heutigen Positionen mit entscheidenden Branchenfragen auseinander.

Lisa studierte Ökotrophologie in Fulda und schloss dort zusätzlich auch ihren Master in Public Health Nutrition ab. Auch auf dem Parkett der Selbstständigkeit konnte sie sich bereits kurzzeitig beweisen.

Pia hat ebenfalls in Fulda einen Bachelor-Abschluss in Lebensmitteltechnologie gemacht, bevor sie den Masterstudiengang Nachhaltige Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft absolvierte und nebenbei bereits in einer Nachhaltigkeitsberatung tätig war.


Bild: Die beiden Session-Leiterinnen stellen den Teilnehmer:innen ihr Thema vor

Übrigens eine Eigenheit, die Felix auch beim Camp sehr zu schätzen wusste (der Austausch zwischen Deutschen und österreichischen Teilnehmenden). Auf die Frage, was er darüber hinaus gut fand und wie er einer Person das BLC erklären würde, die es noch nicht kennt, antwortete er:

"Das Biolebensmittelcamp ist ein Ort der Inspiration, an dem ein wertschätzender Umgang miteinander und eine konstruktive Diskussion stattfinden, die einen beflügeln und weiterbringen und die in kurzer Zeit ein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl schaffen."

Zusammen arbeiten sie nun in unterschiedlichen Rollen für die AÖL (Lisa) und das Büro für Lebensmittelkunde und Qualität (Pia), oder wie Magnus es bei seiner Anmoderation der Session formulierte: „im Team von Alex Beck“. Pia setzte sich bereits während ihrer Masterarbeit im Rahmen eines Projekts der AÖL mit der Einordnung und Bewertung von Verarbeitungstechnologien aus der Bio-Perspektive auseinander. Da biologisches Wirtschaften und Erzeugen nicht bei der Wahl der schonendsten Verarbeitungstechnologie endet, rückten die beiden den Fokus mit ihren drei Leitfragen bewusst auf das gesamtunternehmerische Thema „Suffizienz in der Lebensmittelerzeugung“.

In ihrer ersten Leitfrage luden sie die Camp-Teilnehmer:innen dazu ein in Kleingruppen darüber zu diskutieren, was Verzicht in der eigenen Branche überhaupt bedeuten könnte. Sie bezeichneten es selbst als positiv überraschend, wie schnell und vor allem tief die Beteiligten in das Thema einstiegen. Die Pinnwände waren daher in Windeseile gefüllt und die Gruppen wurden mit der nächsten Leitfrage konfrontiert: „Welche Werte sind mit Suffizienz in der Lebensmittelerzeugung verbunden?“.